a new choral work for A Capella Choir

Wilfred Owen

(18 Mar 1883 - 4 Nov 1918)


Futility


Move him into the sun—

Gently its touch awoke him once,

At home, whispering of fields half-sown.

Always it woke him, even in France,

Until this morning and this snow.

If anything might rouse him now

The kind old sun will know.

Think how it wakes the seeds—

Woke once the clays of a cold star.

Are limbs, so dear-achieved, are sides

Full-nerved, still warm, too hard to stir?

Was it for this the clay grew tall?

—O what made fatuous sunbeams toil

To break earth's sleep at all?

(German translations: Julian Frebel)



Sinnlosigkeit


Bringt ihn in die Sonne -
Zart hat ihn ihr Kitzeln einst aufgeweckt,
In der Heimat, mit Geflüster von ungesäten Feldern.
Sie hat ihn immer aufgeweckt, sogar in Frankreich,
Bis heute Morgen, bis zu diesem Schnee.
Falls irgendetwas ihn noch wecken kann
Wird es die gute alte Sonne wissen.
Überlegt doch, wie sie das Saatgut aufweckt,
Einst den Lehm eines kalten Sterns erweckte.
Sind die Glieder, so teuer errungen, sind die Flanken
Voller Nerven und noch warm, zu schwer in Bewegung zu bringen?
War es das, wofür der Lehm erwachsen geworden ist?
- O warum bemühen sich die törichten Sonnenstrahlen überhaupt,
Den Schlaf der Erde zu unterbrechen?

Anthem for Doomed Youth


What passing-bells for these who die as cattle?

— Only the monstrous anger of the guns.

Only the stuttering rifles' rapid rattle

Can patter out their hasty orisons.


No mockeries now for them; no prayers nor bells;

Nor any voice of mourning save the choirs,—

The shrill, demented choirs of wailing shells;

And bugles calling for them from sad shires.


What candles may be held to speed them all?

Not in the hands of boys, but in their eyes

Shall shine the holy glimmers of goodbyes.

The pallor of girls' brows shall be their pall;

Their flowers the tenderness of patient minds,

And each slow dusk a drawing-down of blinds.

Hymne für Verlorenene Jugend


Welche Totenglocken läuten für die, die wie Vieh sterben?
- Nur die ungeheuere Wut der Waffen.
Nur das schnelle Knattern der stotternden Gewehre
kann hastig ihre Stoßgebete aussprechen.


Doch genug von diesem Hohn; von den Gebeten und Glocken;
von irgendwelchen klagenden Stimmen, außer den Chören -
den schrillen, wahnsinnigen Chören der heulenden Granaten;
und den Trompeten, die in traurigen Gegenden nach ihnen rufen.


Wo sind die Kerzen, um sie alle zu verabschieden?
Nicht in den Händen von Jungs, aber in ihren Augen
Sollen sie den heiligen Schimmer des Abschieds glänzen sehen.
Die blasse Stirn der Mädchen sei das Tuch über ihrem Sarg;
Ihre Blumen sollen zarte, ruhige Gedanken sein.
Und jede langsame Dämmerung ein Zuziehen der Vorhänge.

Spring Offensive


Halted against the shade of a last hill,

They fed, and, lying easy, were at ease

And, finding comfortable chests and knees

Carelessly slept.

But many there stood still

To face the stark, blank sky beyond the ridge,

Knowing their feet had come to the end of the world.

Marvelling they stood, and watched the long grass swirled

By the May breeze, murmurous with wasp and midge,

For though the summer oozed into their veins

Like the injected drug for their bones’ pains,

Sharp on their souls hung the imminent line of grass,

Fearfully flashed the sky’s mysterious glass.


Hour after hour they ponder the warm field—

And the valley far behind, where the buttercups

Had blessed with gold their slow boots coming up,

Where even the little brambles would not yield,

But clutched and clung to them like sorrowing hands;

They breathe like trees unstirred.

Till like a cold gust thrilled the little word

At which each body and its soul begird

And tighten them for battle. No alarms

Of bugles, no high flags, no clamorous haste—

Only a lift and flare of eyes that faced

The sun, like a friend with whom their love is done.

O larger shone that smile against the sun,—

Mightier than his whose bounty these have spurned.


So, soon they topped the hill, and raced together

Over an open stretch of herb and heather

Exposed. And instantly the whole sky burned

With fury against them; and soft sudden cups

Opened in thousands for their blood; and the green slopes

Chasmed and steepened sheer to infinite space.

[...]

Frühlings-Offensive


Im Schatten vor dem letzten Hügel angehalten,
Hatten Sie gegessen und, locker herumliegend, waren ruhig
Und, es sich auf Knien und Oberkörpern bequem machend,
Schliefen sie acht- und sorglos.

Aber viele von Ihnen standen still
Um den Himmel jenseits des Grats des Hügels zu betrachten,
Im Wissen, dass ihre Füße ans Ende der Welt gelangt waren.
Staunend standen sie da und beobachteten das lange Gras
Das im Maiwind wogte, murmelnd von Wespen und Mücken,
Als ob der Sommer in ihre Adern tropfte
Wie die Infusion gegen ihren tiefsten Schmerz.
Scharf saß ihnen die bevorstehende Konturlinie des Grases auf der Seele,
Angstvoll blitzte das mysteriöse Spiegel des Himmels.


Stunde um Stunde dachten sie an die warme Wiese -
Und an das weit zurückliegende Tal, wo die Butterblumen
Ihre langsam vorbeiziehenden Stiefel mit Gold gesegnet hatten,
Und wo sogar die kleinen Brombeeren nicht nachgeben wollten,
Sondern an ihnen hängen blieben wie trauernde Hände;
Sie atmen wie reglose Bäume.
Bis wie eine kalte Böe elektrisierend das kleine Wort fällt
Nach dem alle Körper und ihre Seelen begehren,
Und das sie für die Schlacht strafft.
Kein Trompetensignal, keine erhobenen Fahnen, keine lärmende Eile -
Nur ein Heben und Aufflackern der Augen,
die zur Sonne schauen wie zu einem Freund, mit dem die Freundschaft aus ist.
O breiter strahlte nun das Lächeln gegen die Sonne, -
Stärker als seins, dessen Geschenke sie nun mit Füßen traten.


Bald überschritten sie den Hügel und rannten gemeinsam
über eine offene Strecke voller Kräuter und Heide,
ungeschützt. Und sofort brannte ihnen der ganze Himmel
Mit Wut entgegen; und zarte Blumenkelche
Öffneten sich jäh zu Tausenden ihrem Blut; und aus den grünen, flachen Hängen
Wurden Abgünde, die immer steiler zu schier unendliche Tiefen wurden.

August Stramm
(29 Jul 1874 - 1 Sept 1915)


Traum

Durch die Büsche winden Sterne
Augen tauchen blaken sinken
Flüstern plätschert
Blüten gehren
Düfte spritzen
Schauer stürzen
Winde schnellen prellen schwellen
Tücher reißen
Fallen schrickt in tiefe Nacht.





Dream


Stars winding through the bushes

Eyes dive char sink

Whispering splashes

Blossoms miter

Fragrances spurt

Showers plunge

Winds fast rebound swell

Cloths tear

Fallen freaks in the deep night.

Walter Flex

(6 Jul 1887 - 16 Oct 1917)


von Wanderer zwischen beiden Welten


Wildgänse rauschen durch die Nacht

Mit schrillem Schrei nach Norden –

Unstäte Fahrt! Habt acht, habt acht!

Die Welt ist voller Morden.


Fahrt durch die nachtdurchwogte Welt,

Graureisige Geschwader!

Fahlhelle zuckt, und Schlachtruf gellt,

Weit wallt und wogt der Hader.


Rausch’ zu, fahr’ zu, du graues Heer!

Rauscht zu, fahrt zu nach Norden!

Fahrt ihr nach Süden übers Meer –

Was ist aus uns geworden!


Wir sind wie ihr ein graues Heer

Und fahr’n in Kaisers Namen,

Und fahr’n wir ohne Wiederkehr,

Rauscht uns im Herbst ein Amen!




from Wanderer between both Worlds


Wild geese rushing through the night

With shrill cry toward the north -

Unsteady ride! - Take care, take care!

The world is full of murder


Journey through the night-swirling world,

Grey-headed squadrons!

Pale light twitches, and battle-crys bellow,

Wide pitches and swells the strife.


Rouse yourselves, on your way, you grey army!

Rush to, set to, toward the North!

Travel toward the South over the Sea -

What has become of us!


We are like you a grey army

And travel in Kaisers name,

And we journey without return,

Rustle us in Autumn an Amen!

Goldfeld

(first name and dates unknown)


An Einen Vermissten Freund!


Dein ist kein Grab, kein Kreuz ... du bist vermisst,

Ob du im dunklen Dickicht wo erlegen bist,

Ob du im Sumpf versankt in stiller Nacht,

Ob dich Kosaken langsam umgebracht.


Und wo es war und wie, und wann – warum?

Ich weiß es nicht, der Tod im Wald blieb stumm.

Du bist ein Schädel nun, den Regen bleicht,

Um den im Busch das Wiesel flüchtig streicht.


Nun bist du Land, das einst der Ackrer pflügt,

Du bist das Korn, das einst den Wald besiegt.

Du bist das Brot, das einst der Landmann isst,

Du bist die Kraft, wenn wieder Friede ist.




To a Missing Friend


You have no grave, no cross ... you are missed,

Whether you lie somewhere in a dark thicket,

Whether you sank into mire in the dead of night,

Whether the Cossacks slowly took away your life.


And where it was, and how, and when - why?

I do not know, Death in the forest stays soundless.

You are a skull now, that the rain bleaches,

Around which the fleeting weasel sweeps.


Now you are land, that once the farmhand ploughed,

You are the corn, that once crowned the fields,

You are the bread, that once the man of the land would eat,

You are the strength, when once more there is peace.